Montag, 1. Dezember 2014

Last call is over - Johanna "Hanni" Dettwiler-Minder



Ich verabschiede mich mit grosser Achtung von der Mutter meiner Lebensgefährtin und der Mit-Autorin des Buchs "Schluuch-Geschichten". Sie gab mir Familie und Heimat. Danke Hanni.  

Montag, 8. September 2014

Kinderbuch Vernissage vom Spalentor Verlag

video

"Flutsch - Ein Basler Fischbuch für Kinder" von Armin Fass und Boris Zatko
Bericht: Herbert Blaser
Kamera: Max Schwank
Schnitt: Daniel Wittlin

Sonntag, 10. August 2014

Identitätsverlust

Identitätsverlust

Eine Posse

Handelnde Personen:
-       Bürger
-       Staatsbeamtin 1: StB1
-       Staatsbeamtin 2: StB2
-       Beamter: B

Der Bürger betritt das Einwohneramt und zieht am Ticketschalter eine Nummer. Er drückt dazu auf den Knopf bei der Rubrik: Pässe und Identitätskarten ohne Voranmeldung. Sobald seine Nummer aufgerufen wird, begibt er sich zum entsprechenden Schalter.

Bürger: „Guten Tag. Ich habe meine Identitätskarte mit den restlichen Unterlagen verloren und möchte eine neue Karte machen lassen.“

StB1: „Guten Tag, mein Herr. Haben Sie sich angemeldet?“

Bürger: „ Leider nein. Deswegen bin ich zu diesem Schalter gekommen.“

StB1: „Das geht so nicht. Sie müssen sich anmelden. Hier ist der Schalter ohne Voranmeldung.“

Bürger: „Aber das ist richtig. Ich bin ohne Voranmeldung hier.“

StB1: „Das dürfen Sie nicht. Sie müssen vorher telefonieren.“

Bürger: „Muss ich etwa anmelden, dass ich ohne Voranmeldung kommen will?“

StB1: „Ja. Das ist der Schalter für die Express-Bestellung. Ohne Voranmeldung. Mit Anmeldung dauert es viel länger. Das Pass Büro gibt Ihnen dabei einen Termin nach Liste. In etwa zwei - oder drei Wochen.“

Bürger: „Großartig. Dann will ich diese Express-Bestellung.“

StB1 nimmt ein Merkblatt, umrahmt darauf eine Nummer und schiebt das Blatt über den Tresen: „Rufen Sie diese Nummer an. Dann kommen Sie bitte zurück.“ 

Bürger: „Gerne. Aber trotzdem ... ich bin doch schon hier.“

StB1: „Das tut nichts zur Sache. Sie sind nicht angemeldet.“

Bürger: „Gütiger Gott. Ich hätte gerne eine Identitätskarte.“

 StB1: „Sie müssen sich vorher beim Pass Büro melden. Draußen stehen Telefonkabinen. Nachher ziehen Sie eine neue Nummer für die Pass-Bestellung ohne Voranmeldung und kommen wieder zu mir.“

Der Bürger geht zu den Telefonkabinen in der Empfangshalle. Er wählt die gelb umrandete Nummer.

B: „Einwohnergemeinde der Stadt Basel. Pass Büro. Was kann ich für Sie tun?“

Bürger: „Guten Tag mein Herr. Ich habe meine Identitätskarte verloren und möchte eine neue bestellen. Ich befinde mich bereits bei Ihnen in der Empfangshalle. Es geht um eine Express-Bestellung.“

B: „Eine Express-Bestellung also? Gut, das haben wir gleich. Wie heißen Sie?“

Bürger: „Mein Name ist Joachim Bürger. Ich bin am 02. September 1965 geboren worden."

B redet mit sich selbst und bearbeitet eine Liste: „ Bürger, sagen Sie. Bürger ... Bürger ... Bürger ... jawohl, da finde ich Sie ... jawohl.“   Pause   „Wie groß sind Sie?“

Bürger: „Wie bitte?“

B: „Wie groß Sie sind? Ihre Körpergröße?“

Bürger: „Ach so, meine Körpergröße ... Ich bin 1 Meter 78 groß.“

B: „Eins... acht... und... siebzig. Gut. Sehr gut. Dann ziehen Sie jetzt bitte eine neue Nummer und gehen zurück zum Schalter.“

Bürger: „Ich ... wie ... musste ich etwa anrufen, um mit Ihnen über meine Körpergröße zu reden?“

B: „Das gehört zum Prozedere. Wenn Sie sich jetzt bitte zum Schalter begeben wollen?“

Bürger zieht eine Nummer und geht zum Schalter. Er lächelt krampfhaft: „Sooo, da bin ich.“

StB1: „Prima. Dann machen wir für Sie jetzt eine Express-Bestellung. Bezahlen Sie bar oder mit Karte?“

Bürger: „Was kostet es?“

StB1: „Die Express-Bestellung kostet zusätzliche 20 Franken. Mit der Karte macht das
95 Franken.“

Bürger: „Dann bezahle ich gerne bar.“

StB1: „Sehr gut. Sie können sich jetzt im Büro 9 melden. Dort werden Sie den Antrag ausfüllen und der Beamte mach das Foto. Dann kommen Sie bitte zu meiner Kollegin an die Kasse. Die Bearbeitungszeit der Karte dauert etwa eine Woche. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“

Bürger: „Wie – eine Woche! Ich dachte, das sei eine Express-Bestellung.“

StB1: „Das ist es auch. Sie können das Formular hier und jetzt ausfüllen. Verstehen Sie? Der Antrag geschieht express. Das Bearbeiten dauert seine Zeit. Das ist völlig normal.“

Bürger seufzt und verschwindet im Büro 9. Nach zehn Minuten erscheint er wieder in der Schalterhalle und geht zur Kasse.

Bürger: „ So, ich bin soweit. Darf ich bezahlen?“

StB2: „ Selbstverständlich. Gut ... was haben wir hier? Eine Express-Bestellung ... Identitätskarte ... sooo ... das macht 125 Franken.“

Bürger: „Pardon? Ich dachte, das würde 95 Franken kosten. Ihre Kollegin sagte 95. Nicht 125.“

StB2: „Es kostet aber 125 Franken, mein Herr.“

Bürger: „Warum? Mir wurde gesagt, eine Karte macht 75 und die Express-Bestellung 20 Franken. Zusammen ergibt das 95 Franken.“

StB2: „Dazu kommt noch die Gebühr für den Verlust. 30 Franken. 75 und 20 und 30 gibt 125. Sind Sie einverstanden?“

Bürger: „Nein ... ich meine ja, natürlich bin ich einverstanden. Aber warum wurde mir das nicht gesagt?“

StB2: „Sie haben nicht danach gefragt. Sie wollten nur wissen, was eine Karte und eine Express-Bestellung kostet. Aber wo liegt das Problem?“

Bürger: „Ich habe nur 100 Franken bei mir. Deshalb wollte ich es genau wissen.“

StB2: „Sie können auch mit Kreditkarte bezahlen.“

Bürger: „Die ist doch weg! Mit dem Ausweis! Ich muss zum Bankschalter gehen. Jetzt ist bereits zehn vor zwölf Uhr. Hätten Sie mir den ganzen Betrag vorher gesagt, wäre ich rechtzeitig zur Bank gegangen. Noch vor der Mittagspause. Verstehen Sie mich?“

StB2: „Dann kommen Sie am Nachmittag wieder. Ich storniere die Bestellung und nichts ist passiert.“

Bürger reagiert hysterisch: „Wie stornieren? Warum stornieren? Ich komme zurück, bezahle und das alles läuft so wie es muss.“

StB2. „Das geht leider nicht. Aus Sicherheitsgründen müssen wir den Antrag stornieren. Wenn Sie am Nachmittag kommen, ziehen Sie direkt ein Ticket für den Schalter ohne Voranmeldung. Das kennen Sie ja schon.“


Joachim Bürger antwortet nicht, fängt an zu singen und verlässt das Einwohneramt. Er kommt nicht mehr zurück. Seine Spur verliert sich bei den Zeugen Jehovas.